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ND4.5 – Die Mutter aller Graufilter

Graufilter dürften wohl, genau wie ein stabiles Stativ, zur Fotoausrüstung von nahezu jedem Landschaftsfotografen gehören. Denn durch die Verlängerung der Belichtungszeit lassen sich relativ einfach beeindruckende Effekte erzielen. Wenn man von einem starken Graufiltern spricht, ist meist der ND3.0 gemeint. Dieser Neutralgraufilter schluckt satte 10 Blenden, wodurch man auch am Tag schon relativ lange Belichtungszeiten erreichen kann. Doch was ist, wenn ich noch längere Belichtungszeiten brauche? Hier kommt der ND4.5 ins Spiel. Dieser schluckt ganze 15 Blenden und man erreicht damit auch tagsüber problemlos Belichtungszeiten von mehreren Minuten. Aber warum sollte man das wollen?

Der Klassiker: Wasser glätten & Wolken verwischen

Ich denke, der Sinn von ND-Filtern ist klar: Belichtungszeiten verlängern, ohne die Blende schließen zu müssen. In der Landschaftsfotografie werden ND-Filter in erster Linie genutzt, um Bewegungen zu betonen - sei es die Bewegung von Wasser oder das Zeihen von Wolken. Diese Fotos sehen anders aus, als man es von seiner persönlichen Wahrnehmung her kennt und üben deshalb einen besonderen Reiz aus. Je nach der Geschwindigkeit der bewegten Objekte und nach der Stärke des gewünschten Effekts, sind mehr oder weniger lange Belichtungszeiten erforderlich. Einer der beliebtesten ND-Filter in der Landschaftsfotografie ist der ND3.0 oder auch 1.000-fach Graufilter. Dieser "schluckt" 10 Blenden. Aus einer 1/125 Sekunde werden so 8 Sekunden. Acht Sekunden bei Tageslicht ist schon eine relativ lange Belichtungszeit und in vielen Fällen lässt sich damit auch die beabsichtige Bildwirkung erzielen. Durch das Öffnen oder Schließen der Blende lässt sich diese Belichtungszeit meist auch noch um 2-3 Blendenstufen verkürzen oder verlängern. Aber deutlich über 30 Sekunden Belichtungszeit kommt man tagsüber mit dem ND3.0 nicht. An windigen Tagen oder bei sich bewegendem Wasser reicht das auch in den meisten Fällen völlig aus. Doch wenn sich die Wolken nur sehr langsam bewegen, brauche ich manchmal auch längere Belichtungszeiten. Und hier kommt der ND4.5 ins Spiel. Bei gleichem Licht erreiche ich mit dem ND4.5 4 Minuten und 22 Sekunden Belichtungszeit. Wenn ich also bei Tageslicht mehrere Minuten Belichtungszeit erreichen will, ist der ND4.5 das Werkzeug der Wahl. Aber es gibt noch einen anderen Anwendungsfall.

Ultimatives Mittel gegen Selfiewahn und Menschenmassen

An vielen, beliebten Fotolocations oder Sehenswürdigkeiten ist den ganzen Tag über viel los. Immer läuft einem jemand ins Bild, ständig zücken unzählige Touristen ihre Handys mitsamt Selfiesticks und dokumentieren ihre Existenz für die globale Nachwelt. Was als Sujet für Streetfotografen vielleicht noch einen gewissen Reiz haben mag, ist für Landschafts- oder Architekturfotografen eher ein Ärgernis. Der Eiffelturm, das Kolosseum oder der Kölner Dom ohne Menschenmassen? Geht nicht? Geht doch! Auch hier ist der ND4.5 das Mittel zum Erfolg.

1/52 Sekunde vs. 8 Minuten

Menschenmassen ade

Im obigen Beispiel sieht man das Ergebnis von 8 Minuten Belichtungszeit. Trotz der langen Belichtungszeit sind noch Spuren der Dombesucher zu erkennen. Mit längeren Belichtungszeiten kann man diese Spuren sicher noch reduzieren. Dazu war mit das Wetter aber einfach zu fies. 😉 Ich denke, man erkennt den Effekt auch so gut.

Fazit

Ein ND4.5 ist sicher kein Filter, den man jeden Tag einsetzt. Aber es gibt immer mal wieder Fälle, in denen man froh ist, wenn man ihn dabei hat. 🙂

Meine Filterempfehlung

Ich benutze den NanoPro MC ND3.0 von Haida und bin sehr zufrieden damit. Der Filter ist mit einer Nanobeschichtung vergütet und lässt sich dadurch superleicht reinigen. Am Meer mit Salzwasser-Gischt ein riesiger Vorteil im Vergleich zu meinen alten, nicht Nano-Filter. Die Farbneutralität ist hervorragend. Ehrlicherweise muss man anmerken, dass der ND4.5, anders als der grandiose ND3.0 oder die schwächeren Nano-ND-Filter von Haida, vignettiert. Das ist aber bei diesem absoluten Extremfilter zu verschmerzen, kann es doch leicht in Photoshop oder Lightroom korrigiert werden, wenn es einen überhaupt stört. Manchmal ist eine leichte Vignette ja sogar gewünscht. Eine sehr detaillierte, grandiose Review hat Andreas Brett vor wenigen Tagen veröffentlicht. Mein Freund Jörg Langer hat übrigens auch vor kurzem erst über seine ersten Eindrücke der Nano-Filter gebloggt. Der Filter besteht wie alle Haida-Filter aus Glas und wird mit einer separaten Klebedichtung in einer stabilen Metalldose geliefert. Die Klebedichtung braucht man bei Verwendung des normalen Haida-Halters.

Nicht wundern: Auf dem Bild ist der PRO-Halter zu sehen,bei dem die Dichtung am Halter verbaut ist. Da ich aktuell beide Halter nutze, ist die Dichtung am Filter montiert, zeigt aber nach vorne. So ist der Filter in beiden Haltern verwendbar.

Im Vergleich zu anderen Herstellern, ist der HAIDA NanoPro MC ND 4.5 mit knapp 110 € sogar relativ preiswert. 

5 Antworten

  1. […] Review des NanoPro ND 4.5 von Christian Ohlig mit Vergleichsbildern […]

  2. Beatrice Trixl
    | Antworten

    Hallo Christian, das heisst:
    ich habe den neuen haida pro 100 Halter, dass man hier den steck-nd-filtern nicht den Dichtungsgummi anbringen muss? Bitte um einen Hinweis. Danke.
    Bester Gruß Beatrice

  3. Thomas
    | Antworten

    Christian, danke für den schönen Bericht! Lg, Thomas

  4. Jörg
    | Antworten

    Hallo Christian, erstmal vielen Dank für den sehr informativen Bericht!
    Ich bin seit heute stolzer Besitzer der HAIDA 3.0 & 4.5 NanoPro. Die Vorgängerversionen besitze ich auch noch. Ich habe gerade überrascht festgestellt, dass auch der ND 4.5 NICHT durchgefärbt ist und daher im Vergleich zur alten Version kaum noch vignettiert! Hat da HAIDA die ND-4.5-Produktion geändert? – Ich bin jedenfalls superzufrieden mit der Neuanschaffung!

    Beste Grüße!

    Jörg

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