» » Die Kraftwerker

Die Kraftwerker

Manchmal braucht man halt einen Tritt in den Hintern, um sich bei dauerhaft fragwürdigem Wetter mit der Fotoausrüstung aufzumachen, anstatt den wohl verdienten Urlaub zwischen den Jahren auf dem Sofa vor sich hin zu metabolisieren.

Einfach machen!

Foto: Reinold Gober

In diesem Fall kam der Arschtritt von Thomas Zilch, der vorgeschlagen hat, sich einmal über die Kraftwerke des "Rheinischen Braunkohlereviers" herzumachen. Ich fahre jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit an den Kraftwerken und den sie speisenden Brauhkohletagebauen vorbei und nehme mir schon länger vor, die selbst mal zu fotografieren. Bisher "hat es sich einfach nicht ergeben", doch das sollte sich nun ändern. Thomas hat in einer Facebookgruppe eingeladen und auch Silke Schüttler sowie Reinold Gober sind der Einladung gefolgt. Und so fanden sich vier dick eingepackte Gestalten, drei Gitzos, drei Fujis, drei Lee-Filterpouches und jede Menge weiteren Gerödels auf einem Feldweg wieder und erregten den Argwohn der Anwohner. Man muss dazu wissen, dass in der Gegend seit Jahren ein teils relativ handfest geführter Kampf um ein Waldstück im Hambacher Forst tobt, das RWE gehört und abgeholzt werden soll. Und phasenweise ist in dieser Gegend eine Menge Polizei, Presse, Werksschutz und natürlich Demonstranten unterwegs. Aktuell scheint das Wetter die Protestfreude nicht zu fördern, wir sind aber zweimal angesprochen worden, was wir denn da wohl machen. Aber wir scheinen wohl relativ harmlos gewirkt zu haben, sodass uns nicht einmal jemand die Polizei zur Personalienfeststellung vorbeigeschickt hat. Dabei hätten wir beim Warten auf das perfekte Licht durchaus ein bisschen uniformierte Gesellschaft zum Schwätzchen vertragen. Aber zum Glück gibt es ja immer genug fachzusimpeln, wenn vier Landschaftsfoto-Ultras zusammentreffen. Die drei Fujianer haben dabei immer mal wieder ein kleines bisschen neidisch zum Stativ von Reinold herüberlelinst, der als Einziger mit Canon unterwegs war und eines dieser feinen TS-E-Objektive sein Eigen nennt. Also Fujifilm: Du liest hier zweifellos mit... alleine in diesem Blogposting gibt es mindestens zwei Fotografen, die bei einem Weitwinklel-Shift schwach werden könnten!!!

Filterwetter!

Wir waren allesamt ziemlich richtig gekleidet, Und alle Anwesenden außer mir verfügten über winterliche Norwegenerfahrung. Dieses Defizit werde ich im April bereinigen, wenn es mich für zwei Wochen auf die Lofoten verschlagen wird. Denn bisher bin ich in südlicher Richtung nicht über Hamburg hinaus gekommen. Ich bin zwar aus verschiedenen Richtungen vor dem Suchtpotenial des Nordens gewarnt worden, aber es ist ja schließlich eine Dienstreise. 🙂 Was tut man nicht alles für den Job... 🙂 Aber ich glaube, ich war nicht der Einzige, dem zeitweise ziemlich frisch war. Wir hatten nämlich das Glück, dass wir den gefühlt einzigen, trockenen Tag in den letzten Monaten erwischt haben. Dafür war es (für rheinische Verhältnisse) mit 2°C relativ kalt und ziemlich windig. Für die Fotos war das natürlich toll! Die Wolken hingen niedrig und sind nur so über uns hinweggefegt.

Hervorragende Bedingungen also, um Grau- und Grauverlaufsfilter mal wieder ausgiebig zum Einsatz zu bringen. Für mich war es auch das erste Mal, dass ich den neuen NanoPro MC ND 4.5 Graufilter von Haida ausprobieren könnte. Der schluckt ganze 15 Blenden und ist somit wirklich alles andere als ein Alltagsfilter. Anders als die anderen Nano-Filter, die im Gegensatz zu den Vorgängerversionen, lediglich beschichtet und nicht mehr durchgefärbt sind, was ihnen eine exzellente Vignettierungsarmut verleiht, ist der ND 4,5 durchgefärbt UND beschichtet. Anders lässt sich die extreme Lichtundurchlässigkeit wohl nicht erreichen. Für die sich schnell bewegenden Wolken waren die langen Belichtungszeiten gar nicht nötig. Aber ich war schon gespannt, wie sich dieser Extremfilter in puncto Vignettierung und Farbstich schlägt. Und ich bin wirklich sehr zufrieden. Klar, so ein Filter vignettiert. An den Rändern ist die Strecke, die das Licht durch das durchgefärbte Glas zurücklegen muss, viel länger als in der Mitte. Aber die Vignettierungen sind wirklich beherrschbar und leicht in der Bildbearbeitung zu entfernen. Auch die Farbneutralität ist wirklich erstaunlich gut. Haida legt die Messlatte damit noch einmal deutlich höher. Man darf nicht vergessen, welch eine extrem lichtundurchlässige Scheibe man da vor sein Objektiv schnallt. Mit den übrigen Nano-Filtern, die ich seit meiner Bretagne-Reise nutze, bin ich ja sowieso extrem zufrieden. Sehr leicht zu reinigen und nahezu neutral und vignettierungsfrei, gibt es in meinen Augen keine besseren Steckfilter, auch wenn man den niedrigeren Preis im Vergleich zu den Wettbewerbern nicht mit ins Kalkül zieht. Bedenkt man den Preis mit, gibt es nichts besseres.

Wir hatten sogar das Glück, die wenigen Sonnenminuten der letzten Wochen einfangen zu können. Und nachdem wir uns an dieser Stelle ausgiebig abgearbeitet haben, sind wir auf die andere Seite des Kraftwerks gefahren, um dort die blaue Stunde zu erleben. Und wir wurden fürs Frieren mit einem wunderschönen Sundown und einem wahren Wolkenspektakel in den den tollsten Farben belohnt. Zugegeben: meine Bilder sind relativ knallig und kontrastreich bearbeitet, aber die Farben waren wirklich so da.

Das Schöne am Fotografieren im Winter ist ja, dass die Sonne so früh untergeht und man nicht bis in die Puppen warten muss, bis man das schönste Licht des Tages vorfindet. Und so haben wir vier dann um kurz vor 18 Uhr durchgefroren, mit steifen Fingern, aber hochzufrieden unseren Krempel zusammengepackt und sind nach Hause gefahren, um direkt mal zu schauen, was wir da so auf die Speicherkarte bannen konnten.

 

Die Beute

 

Ich für meinen Teil bin extrem überrascht, was bei diesem kurzen Ausflug herausgekommen ist. Wir hatten wirklich extremes Glück mit dem Wetter! Und obwohl ich "Rudelschießen" nicht mag und wir eigentlich schon alle nebeneinander gestanden haben, sind bei jedem von uns sehr unterschiedliche Fotos herausgekommen.

Ich für meinen Teil lerne aus diesem Nachmittag, den Arsch mal wieder etwas häufiger hoch zu bekommen oder hoffe ansonsten wenigsten auf weitere Tritte durch befreundete andere Fotoverrückte!

One Response

  1. […] auch schon bei der Kraftwerkstour war ich auch heute wieder mit Silke Schüttler, Reinold Gober und Thomas Zilch unterwegs. […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.