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Review: Stativ Rollei Rock Solid Gamma

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Leicht, stabil und durchdacht sollte es sein, mein neues Stativ. Darum habe ich beim Fotofestival in Zingst die Gelegenheit genutzt und mir das Angebot der verschiedenen Hersteller direkt vor Ort angeschaut. Entschieden habe ich mich letztendlich für das Rollei Rock Solid Gamma. Seit zehn Monaten nutze ich das Stativ nun intensiv. Hier sind meine Erfahrungen und Eindrücke.

Zeit für ein neues Stativ

Fotoausrüstung EOS
Wir haben viel gemeinsam erlebt, mein Gitz Reporter und ich.

Mein letztes neues Stativ hatte ich vor über 20 Jahren gekauft. Mein Manfrotto 055 CB hat mir lange treue Dienste geleistet, war mir aber auf Reisen schon zu groß. Deshalb hatte ich mit schon vor vielen Jahren ein gebrauchtes Gitz-Stativ Reporter gekauft, das vermutlich genau so alt ist wie ich. Nun ist die Entwicklung bei Stativen nicht ansatzweise so rasant wie bei Kameras oder Objektiven, aber dennoch hatte sich in den letzten Jahrzehnten so viel getan, dass ich es jetzt einfach Zeit für ein neues Stativ wurde. Da man als Landschafts- und Reisefotograf natürlich über jedes Gramm froh ist, was man nicht mit sich herumtragen muss, sollte das neue Stativ aus Carbon sein. Während mir zu analogen Zeiten ziemlich wichtig war, dass sich das Stativ bis auf Augenhöhe ausziehen lässt, ist mir das Dank Live-View und Display heute nicht mehr so wichtig. Da kommt es mir eher auf die kompakte Bauform an. Und da ich ja schon länger mit meinen kleinen und leichten Fujifilm-Systemkameras fotografiere musste die Tragkraft des Stativs nicht besonders groß sein. Stabil sollte es aber natürlich dennoch sein.

And the winner is: Rollei Rock Solid Gamma

Rollei hatte ich eigentlich gar nicht auf dem Schirm. Aber das Rock Solid Gamma hat mich so überzeugt, dass ich mich für dieses Stativ entschieden habe.

Das Gamma ist das kleinste Stativ aus der Rock Solid Serie. Darüber gibt es noch die größeren Modelle Beta und Alpha und Alpha XL. Diese waren aber für meine Zwecke überdimensioniert. Rollei stellt noch zahlreiche kleinere Reisestative, teils sogar auch aus Carbon her. Das Gamma erscheint mir aber das beste Gesamtpaket für meine Zwecke zu sein.


Das schreibt der Hersteller

 

Produktbeschreibung

Für den steigenden Bedarf professioneller Reise- und Naturfotografen nach leichten, stabilen und witterungsresistenten Reisestativen hat Rollei die Rock Solid Carbon Stativ Reihe entwickelt. „Rock Solid“ steht im Englischen für „felsenfest“ oder „wie ein Fels in der Brandung“. Um in jeder Motiv-Situation einen entsprechend stabilen Stand zu garantieren, sind die Stativrohe zu 100 Prozent aus Carbon hergestellt. Komplett aus Kohlenstofffaser-verstärkten duromeren Kunststoffen besteht beispielsweise auch das Seitenleitwerk des Airbus A 380. Dieser Werkstoff trotzt nicht nur dauerhaft Wind und Wetter, sondern ist auch absolut korrosionsunempfindlich sowie Sand- und Salzwasser-beständig.

Unser Modell Gamma bringt gerade einmal 1.350 kg auf die Waage und trägt trotzdem beeindruckende 16 kg auf seinen stabilen Beinen. Das Packmaß beträgt weniger als einen halben Meter in der Länge, die zu 180° schwenkbaren Stativbeine erlauben auch die Verwendung als Makro-Stativ. Sowohl auf empfindlichen Untergründen als auch auf Eis oder Geröll steht das Rollei Rock Solid Carbon Stativ Gamma wirklich unerschütterlich: Die in acht Lagen kreuzförmig verwobenen Carbon-Fasern ermöglichen eine optimale Schwingungsdämpfung. Spikes sind im Lieferumfang enthalten und lassen sich schnell und unkompliziert an den dreifach ausziehbaren Stativbeinen (Dreibeinstativ) befestigen. Über widerstandsfähige Gelenke mit drei Rastpositionen und Schnellschraub-Verschlüsse kann das Stativ innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit gemacht werden.

Neben den stabilen Spikes liegt dem Rollei Rock Solid Carbon Stativ Gamma auch eine zusätzliche kurze Mittelsäule bei. Das Reisestativ lässt sich für sehr beengte Räumlichkeiten oder in Aufnahmesituationen, die schnelle Reaktionszeiten bei widrigen Lichtverhältnissen erfordern zu einem Einbeinstativ (Monopod) umbauen.

Maße Dreibein

Gewicht (ohne Stativkopf) 1,35 kg
Minimale Höhe 7 cm
Maximale Höhe 151 cm
Traglast 16 kg
Beinsegmente 4

Maße Einbein

Gewicht (ohne Stativkopf) 0,.43 kg
Maximale Höhe 162.5 cm
Minimale Höhe 78 cm
Traglast 16 kg

Lieferumfang:

  • Rock Solid Carbon Stativ Gamma
  • Stativtasche
  • Spikes
  • Inbusschlüssel
  • kurze Mittelsäule

 


 

Das Rollei Rock Solid Gamma Stativ in der Praxis

Ich war mit dem Rollei Rock Solid Gamma im Salzwasser von Nord-, Ostsee und Mittelmeer, an zahlreichen Sandstränden, im Rhein und einigen Flüssen Südfrankreichs sowie im Ockerstaub des Luberon. Nach 10 Monaten intensiver Benutzung hat es inzwischen ein paar Gebrauchsspuren, aber Schwachstellen sind mir keine aufgefallen.

Im Folgenden möchte ich euch ein paar Details zeigen, die mir am Rollei Rock Solid Gamma  in der Praxis besonders gut gefallen haben.

 

Verstellbarkeit

Die Stativbeine sind in drei Anstellwinkeln gerastet. Dazu wird ein jedem Bein ein kleiner Schieber an der Stativschulter herausgezogen. Leider ist dieser Schieber nicht wie bei anderen Stativen mit einer Feder versehen, sodass man den Schieber immer herausziehen und hineindrücken muss, wenn man den Beinanschlag arretieren will. Es ist wohl Geschmackssache, aber ich hätte einen Mechanismus bevorzugt, bei dem man nur auf die Raste drücken muss. Durch die unterschiedlichen Anstellwinkel bis hin zur 180°-Drehung gibt es kaum eine Aufnahmesituation, die man mit dem Gamma nicht meistern könnte.

Mittelsäule

Die Mittelsäule ist ebenfalls aus Carbon und lässt sich ein ganzes Stück ausziehen, ohne die Stabilität des Stativs allzu sehr zu verringern. Ich fotografiere aber meist mit eingefahrener Mittelsäule. Unten an der Mittelsäule ist ein Haken eingeschraubt, der das Einhängen der Fototasche ermöglicht und dem Stativ so noch mehr Stabilität verleiht. Schraubt man das Endstück mit dem Haken ab, kann man die Mittelsäule herausziehen und umgekehrt verwenden, um möglichst bodennah fotografieren zu können. Zum Lieferumfang des Stativs gehört jedoch noch eine kurze Mittelsäule. Mit dieser lassen sich auch sehr tiefe Aufnahmepositionen realisieren. Was mir sehr gefällt: anders als bei vielen anderen Stativen wird die Mittelsäule über ein anständiges Handrad oberhalb der Stativschulter arretiert. Das ist viel besser zugänglich als eine Arretierung, die unterhalb des Stativschulter sitzt, wie das z.B. bei meinem Gitzo war. Da hat man sich immer die Knöchel angehauen, wenn man die Mittelsäule lösen wollte. Außerdem lässt sich die Mittelsäule mit einem der Stativbeine als wirklich langes und stabiles Einbeinstativ nuzten. Eine wirklich extrem praktische Lösung!

Packmaß

Es ist heute keine Besonderheit mehr: Bei vielen aktuellen Stativen lassen sich die Stativbeine bei ausgefahrener Mittelsäule um 180° nach oben klappen, sodass der Stativkopf zwischen den Beinen verschwindet. So auch beim Rock Solid Gamma. Die Verringerung des Packmaßes ist groß. Ein Feature auf das ich nicht mehr verzichten wollte.

Stichwort Wasserfestigkeit

Es gibt Hersteller, die dichten Stative zur Verwendung im Wasser aufwändig ab, damit kein oder realistischer formuliert nur wenig Wasser in die Stativbeine hinein läuft. Rollei tut das nicht, was ich nicht weiter schlimm finde. Denn Wasser und Sand finden immer einen Weg in die Stativbeine. Auch bei "wasserfesten" Stativen kommt man um eine regelmäßige Demontage und Reinigung nicht herum. Rollei beschreibt das Gamma als "absolut korrosionsunempfindlich sowie Sand- und Salzwasser-beständig." Ich habe mein Rock Solid Gamma auf mehreren Reisen an Strand, Meer und Süßwasser nicht geschont und kann die Aussage von Rollei bestätigen.
Die Beine lassen sich schnell und einfach demontieren und reinigen. Und das sollte man spätestens nach einer Reise auch tun. Dann können weder Salzwasser noch Sand dem Stativ bleibende Schäden zufügen.

Zubehör

Mit dem Zubehör ist das Gamma wirklich seht gut ausgestattet. Mit den Spikes lässt es sich an unterschiedliche Untergründe anpassen. Die mitgelieferte Tasche ist solide verarbeitet, stabil und schützt das Stativ wirksam. Mit der kurzen Mittelsäule lässt sich das Gamma auch für extrem bodennahe Aufnahmen nutzen.

Stativkopf

Der Rolleo T5S Kugelkopf.

Ich habe mir zum Rollei Rock Solid Gamma auch noch den passenden Rollei Stativkopf gekauft: den Rollei T5S. Dieser Kugelkopf verfügt über eine Schnellwechselplatte mit Acra Swiss Anschluss. Somit lassen sich all meine Kameras, die mit passenden Handgriffen ausgestattet sind, ohne zusätzliche Platte am Kopf befestigen. Am Kopf befinden sich zwei Einstellräder. Mit dem einen arretiert man die Horizontalachse. Mit dem anderen Rad (dem größeren) stellt man die Friktion der Kugel sehr fein einstellen. Der Kopf läuft sehr weich in der Pfanne und der Bildausschnitt verändert sich beim Feststellen der Friktion auch bei längeren Brennweiten nur minimal. Mit 25 kg Tragkraft ist der T5S mehr als ausreichend dimensioniert und passt genau zwischen die Beine des Gammas. Die genauen Spezifikationen könnt ihr diesem Datenblatt entnehmen. Der Rollei T5S kostet knapp 100 €.


 

Mein Fazit

Es wird nach den vorangegangenen Zeilen nicht verwundern: Ich bin mit dem Rollei Rock Solid Gamma sehr zufrieden. Für 329 € (mit Kopf 428 €) bekommt man ein hervorragend verarbeitetes, toll ausgestattetes Carbon-Stativ, das leicht, kompakt und gleichzeitig extrem vielseitig ist. Einzig die Arretierung der Stativbeine hätte ich mir mit einem Federmechanismus gewünscht - ein richtiger Nachteil ist das aber nicht. Für meine Fujifilm X-Ausrüstung ist das Rock Solid Gamme mehr als ausreichend dimensioniert - vielleicht sogar überdimensioniert. Es ist wirklich superstabil. Ich habe es inzwischen mit mehreren gleichgroßen Stativen anderer Hersteller vergleichen können und ich habe kein Stativ gefunden, das bei gleicher Größe und Gewicht stabiler war. Ich kann dieses Stativ und den Kugelkopf wirklich sehr empfehlen und bin gespannt, ob mich das Rollei Gamma genau so lange auf meinen Reisen begleiten wird, wie meine bisherigen Stative das getan haben. Ich bin jedenfalls sehr zuversichtlich.

Hinweis:

Die aktuelle Version des Rollei Rock Solid Gamma wurde inzwischen etwas modifiziert: Während bei meinem Gamma lediglich das abschraubbare Bein mit einem Kunstlederschutz versehen war, sind die anderen zwei Beine zusätzlich mit einem Gummischutz versehen. Außerdem sind beim aktuellen Modell die untersten Stativelemente jetzt mit einer aufgedruckten Skala beschriftet. Das war bei meinem Gamma auch noch nicht der Fall.

 

Auch interessant:

Ockergelben im Luberon
Diese Review ist Teil einer Serie zum Thema Landschaftsfotografie in Südfrankreich. Ich werde in den kommenden Wochen folgende Ausrüstungsteile in einen Beiträgen näher beleuchten:

Außerdem werde ich zu einigen tollen Locations Fotos zeigen und Tipps geben.

5 Antworten

  1. Jörg
    | Antworten

    Ein großartiger Review zu einem wirklich sehr guten Stativ. Ich teile Deine Eindrücke auch und bin auch hochzufrieden damit.

  2. Pascal
    | Antworten

    Hallo Christian,

    den Beitrag von Jörg kenne ich schon und auch deinen Testbericht zum Rock Solid Gamma habe ich mir durchgelesen. Beide Tests fand ich interessant und ich habe mir beide Stative (Gamma und Beta) bestellt. Ich war mir nicht sicher welches ich nehmen soll. Schlussendlich habe ich mich für das Beta entschieden. Wobei ich nicht weiß ob das so die richtige Entscheidung war, ist es doch deutlich schwerer als das Gamma.

    Eine Entscheidungshilfe zu den beiden Stativen habe ich hier verfasst: http://www.pascalbetke.de/fotografie/rollei-rock-solid-beta-oder-gamma-carbon-stativ-welches-ist-besser

    Ein Bericht über das Beta in freier Wildbahn werde ich noch verfassen, sobald ich mit dem Stativ mal draußen war. 🙂

    Gruß Pascal

    • cohlig
      | Antworten

      Sehr cool! habe deine Entscheidungshilfe gleich mal in mein Posting mit aufgenommen. 🙂 Was deine Entscheidung angeht: Man zweifelt ja immer an seiner Wahl – so oder so. 😉 Aber ich glaube, das Beta war eine gute Entscheidung. Ich teste gerade ausführlich das C5i-Carbon. Das ist fast genau so hoch wie das Beta, aber noch spürbar leichter und handlicher. Wenn du merkst, dass die das Beta manchmal einfach zu groß und zu schwer ist, wäre das Rollei C5i sicher eine gute und deutlich günstigere Ergänzung zum Beta. Ich werde berichten, aber der bisherige Eindruck vom C5i-Carbon ist sehr vielversprechend.

      • Pascal
        | Antworten

        Oh vielen Dank! Das mache ich bei mir auch mal!
        Ja ich glaube, als Landschaftsfotograf brauch man dann doch irgendwie zwei Stative. Ein richtig stabiles und ein kleines, wirklich leichtes Reisestativ. Aber mal sehen wie sich das Beta draußen schlägt. 🙂

  3. […] zum Thema hat der Fotograf Christian Ohlig einen Blogbeitrag zum Rollei Rock Solid Gamma verfasst. Also wer an dem kleinsten Stativ der Rock Solid Reihe interessiert ist, kann bei […]

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