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Quo Vadis photokina 2016

eingetragen in: EIZO, Fotografie | 1

Nun ist die photokina 2016 schon ein paar Wochen vorbei, ich sitze in Südfrankreich, wo der Herbst inzwischen auch die Oberhand gewonnen hat und hatte endlich Zeit, die Akkus wieder aufzuladen. Zeit also, einmal auf die Messe zurückzublicken:

Aus meiner persönlichen Sicht war die Messe ein großer Erfolg. Ich habe am EIZO-Stand unzählige alte und neue Kooperationspartner getroffen und tolle Gespräche geführt. Die Vorträge unserer Speaker waren extrem gut besucht und auch mit meinen Vorträgen zum Thema Farbmanagement haben wir viele Besucher erreicht. Wenn ihr selbst keine Gelegenheit hattet, uns zu besuchen, gibt euch der folgende Film einen guten Eindruck vom Geschehen an unserem Stand.

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Die photokina ist tot!

Oft hat man in den letzten Jahren den Abgesang auf große Messen wie die photokina gehört. Und in der Tat: Ein Neuheitenfeuerwerk wie vor über zehn Jahren gab es nicht. Ich habe meine erste photokina 1998 besucht. Damals war die ganze größtenteils noch analoge Fotoindustrie auf diesen Termin (und wenige andere international bedeutsame Messen) ausgerichtet. Alle zwei Jahre wurde das Produktportfolio überarbeitet und auf der photokina konnte man die Neuheiten das erste Mal sehen und erfuhr Details. In den folgenden Jahren boomte die Digitalfotografie. Alle zwei Jahre kamen Nachfolgemodelle auf den Markt, bei denen die Auflösung verdoppelt und der Preis gesenkt wurde. Auf der photokina überboten sich die Hersteller mit Superlativen und Rekorden.

Doch irgendwann stagnierte einerseits diese rasante Entwicklung und das Medium Internet hat inzwischen eine wesentlich höhere Bedeutung für die Informationsgewinnung als Fotomessen das aktuell haben. Außerdem gehören Inovationszyklen von zwei Jahren seit ein paar Jahren der Vergangenheit an. Man muss sich nur anschauen, welche Schlagzahl z.B. Sony in nden letzten Jahren vorgelegt hat. Kaum ist ein Modell in großen Stückzahlen endlich im Handel angekommen, wird schon das Nachfolgemodell angekündigt und das bisherige Modell dennoch weiter verkauft. Auch hat sich der Markt sehr verändert. Marken wie Agfa, Kodak, Rollei, Minolta oder jüngst Samsung sind vom Markt verschwunden. Neue Kamerasysteme, allen voran spiegellose Systemkameras haben sich am Markt etabliert. Und statt den bisherigen Platzhirschen Canon und Nikon präsentieren Hersteller wie Fujifilm, Olympus, Pentax und vor allem Sony regelmäßig  Innovationen.

In dieser Situation kann eine Messe, die nur alle zwei Jahre stattfindet in einem globalisierten Markt nicht die Bedeutung der vergangenen Jahrzehnte behalten. Und das zeigt sich auch sehr deutlich in der Releasepolitik der einzelnen Hersteller:

Canon hat seine EOS 1D X MK II und die EOS 5D MK IV schon vor der Messe präsentiert. Und auch Nikon hatte die D5 und die D500 Monate vor der Messe präsentiert. Die neue Hasselblad-Systemkamera war auch längst released. Kameratechnisch kamen die einzigen relevanten Neuheiten von Fujifilm und Olympus. Ein Produkt zur photokina zu präsentieren scheint nur noch nice to have zu sein, wenn es zufällig gerade in den Produktionsplan passt. Aber kaum ein Hersteller erweckt noch den Eindruck, Innovationen gezielt zur photokina zu releasen.

Es lebe die photokina!

Was bleibt also noch als Anreiz für eine Großmesse wie die photokina, wenn es nicht mehr die Innovationen sind? Hat sich im globalen Internetzeitalter eine Real-World-Veranstaltung wie die photokina erübrigt? Ich glaube das nicht.

Auf der einen Seite war die photokina 2016 aus der Sicht von EIZO die erfolgreichste photokina bisher. Der Stand war immer extrem gut besucht und die Vorträge haben das Interesse der Besucher total getroffen. Aber das mag ja nicht repräsentativ für die Messe zu sein. Ich glaube dennoch, dass die Messe nicht am Ende ist, sondern sich einfach wandelt.

Anfassen

Um die relativ wenigen neuen Kameras einmal anzufassen fährt man heute tatsächlich nicht mehr auf eine Messe. Wenn man das will, kann man auch ein paar Wochen warten und das Geraffel dann beim Fotohändler um die Ecke anschauen. Und grundsätzlich weiß man ja, wie sich die Sachen anfühlen. Schließlich besitzt man in der Regeln eines der Vorgängermodelle.

Anders sieht das beim Zubehör aus. Fototaschen und anderes Zubehör will man anfassen und einen persönlichen Eindruck davon bekommen. Datenblätter helfen da nicht weiter. Blitzanlagen will man mal in Realität sehen. Kein Fotohändler kann einem die Möglichkeit bieten, das komplette Produktsortiment fast aller Hersteller vorzuführen.

Gespräche führen

Wenn Hersteller die Messe ernst nehmen und kompetentes Personal am Stand haben, kann man als Kunde Gespräche führen und bekommt so einen tieferen und persönlichen Einblick in Produkte und die Unternehmenskultur, die hinter einer Marke steht.

Vorträge und Ausstellungen

Auf der Messe gibt es etliche Bühnen, auf denen wirklich tolle Vorträge gehalten werden. Auf keiner anderen Messe bekommt man so viel kostenlosen Input wie auf der photokina. Gleiches gilt für Ausstellungen.

Networking

Und last but not least, kann man nirgends sonst so viele Fotografie begeisterte Menschen treffen wie auf der photokina. Bei den großartigen Möglichkeiten der sozialen Medien ist es doch einfach noch einmal etwas anderes, wenn man sich einmal von Angesicht zu Angesicht trifft. Das gilt für "Promis" genau so wie für Otto-Normal-Fotografen.

Ich denke, hier genau liegen die Chancen der photokina. Wenn sie weiter daran arbeiten, die oben aufgezählten Benefits weiter auszubauen, hat die Messe auch in den nächsten Jahren noch eine Zukunft.

Krolop & Gerst photokina livetalk

Ein in meinen Augen ausgesprochen sehenswertes Stück Internet war die allabendliche Live-Talksendung die Martin Krolop und Marc Gerst und ihr Team auf die Beine gestellt haben:

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