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Review Oberwerth Wetzlar

Oberwerth Wetzlar

 

Ein Taschentraum in Leder und Cordura

Mit den beiden neuen Ledertaschen Wetzlar und Heidelberg hat die deutsche Taschenmanufaktur Oberwerth ihr Sortiment edler Fototaschen vor einigen Wochen weiter ausgebaut. Ich hatte die Gelegenheit, die Oberwerth Wetzlar ausgiebig zu testen. Während die Taschen anfangs nur in schwarz zu haben waren, sind sie inzwischen in den unterschiedlichen Farbkombinationen erhältlich, die man von den anderen Oberwerth-Modellen kennt. Meine Testtasche ist in dunkelbraunem Leder mit olivefarbenem Cordura gefertigt. Eine, wie ich finde, wahnsinnig schöne Kombination. Ich nutze die Tasche seit einigen Wochen täglich und sie ist mit mir natürlich auch zum Fotofestival Horizonte nach Zingst gereist. Hier nun meine Erfahrungen:

 

Die größere Schwester der Freiburg

Ja, ich gebe es offen zu: ich habe einen Taschenfimmel. Und wenn nicht mein Fotokumpel Jörg die Seite taschenfreak.de betreiben würde, käme der Titel meinen Neigungen schon ziemlich nahe. Nach der München und der Freiburg ist die Wetzlar nun schon die dritte Oberwerth-Tasche, die ich getestet habe. Die Freiburg in dunkelbraunem Voll-Leder habe ich seit vielen Monaten im Dauereinsatz, finde sie nach wie vor absolut großartig und möchte sie nicht mehr missen. Für die "kleine Ausrüstung" aus der Fujifilm X-E2 mit drei Festbrennweiten (18mm, 35mm und 56mm) ist sie absolut perfekt. Wenn nötig passt auch noch ein iPad und eine Menge Zubehör hinein. Ein Blitz, ein weiteres, größeres Objektiv wie z.B. das 10-24 oder 55-200 oder ein zweites Gehäuse bekomme ich aber definitiv nicht mehr hinein. Die München ist hingegen erheblich größer. In die Lücke zwischen diesen beiden Taschen stößt nun die neue Wetzlar. Wie auch die Freiburg ist auch die Wetzlar von den Abmessungen her ideal auf digitale Systemkameras diverser Hersteller zugeschnitten. Das edle, zeitlose Design passt zum Beispiel hervorragend zum Retro-Charme einer Fujifilm X-E2, Leica M oder Olympus PEN-F.

Im Vergleich zu den bisherigen Cordura-Leder-Taschen von Oberwerth finden sich an der Wetzlar einige Neuerungen. Augenscheinlichster Unterschied ist für mich die Anmutung. Während die München und die Cordura-Leder-Freiburg auf mich wie Stofftaschen mit großflächigen Lederanteilen wirken, wirkt die Wetzlar wie eine Ledertasche mit Cordura-Anteil. Die Wirkung ist eine total andere. Ein Hauptgrund hierfür sind gewiss die an den Seiten aufgesetzten Ledertaschen, welche mit Magnetverschlüssen geschlossen werden. Diese sind zwar nicht übermäßig groß, aber um je einen Filter darin unterzubringen, haben sie mir gute Dienste geleistet. Das Rückenfach ist gut gepolstert doch vor allem die Inneneinteilung wurde spürbar weiterentwickelt.

Schnittmodell Oberwerth Wetzlar
Schnittmodell der Wetzlar. Foto: Oberwerth

Durchdachte Inneneinteilung

Die Wetzlar kommt mit den bewährten luftgepolsterten Inneneinteilern, die man von den anderen Modellen kennt. Zusätzlich werden kleine "Zwischenpolster" mitgeliefert, die jetzt einseitig an einer Seitenwand festgeklettet werden können. So kann man kleinere Objektive "stapeln", ohne Sorge vor Kratzern haben zu müssen. Neu sind ebenfalls zwei gepolsterte Würfel, womit man hochformatig in die der Tasche steckende Kameras mit angesetztem Objektiv abstützen kann und dadurch weitere, kleine Festbrennweiten unterbringen kann. So werden viele neue Einteilungsvarianten möglich. Da man sich das nur schwer vorstellen kann, hat Oberwerte eigens ein halb offenes Schnittmodell hergestellt, das die neue Inneneinteilung veranschaulicht. Je nach Kamera bzw. Objektiv fasst die Wetzlar bis zu vier Objektive und zwei Gehäuse. Meine Standardbeladung besteht aus einem Gehäuse, drei Festbrennweiten (18mm35mm und 56mm) und wahlweise dem 10-24 oder dem 55-200, die beide mitsamt der Gegenlichtblenden ausreichend Platz finden. In den beiden Fronttaschen sowie den beiden flachen Seitentaschen findet reichlich Zubehör Platz. Viele, aussagekräftige Packbeispiele finden sich hier auf der Oberwerth-Homepage.

Wie alle Oberwerth-Taschen besteht auch die Wetzlar aus einer herausnehmbaren Innentasche und einer Außentasche. Das ist sehr praktisch, da man die Innentasche auch mit anderen (Nicht-)Fototaschen nutzen kann, um die Fotoausrüstung geschützt unterzubringen. Andererseits kann man auch die Außentasche als Nicht-Fototasche und anderweitig befüllen.

 

Laschen Oberwerth Wetzlar
Auf Wunsch schützen "Lederohren" und ein gepolsterter Deckel die Ausrüstung zusätzlich.

Bester Schutz vor Wind und Wetter

Wie von den anderen Taschen von Oberwerth wird auch die Wetzlar von einem großen Lederdeckel und den genialen Loxx-Verschlüssen arretiert. Diese sind leicht zu schließen, halten die Tasche sicher zu und können sich so gut wie unmöglich unbeabsichtigt öffnen. Diese kleinen, aber entscheidenden Details machen neben der grandiosen Verarbeitungsqualität den Reiz der Oberwerth-Taschen aus.

Besondere Flexibilität erhalten die Taschen durch zwei weitere Verschlusskomponenten, die sich ebenfalls bereits in den anderen Oberwerte Taschen bewährt haben: Einerseits verfügt die Innentasche über einen gepolsterten Deckel, der entweder verwendet und mit Klebstreifen sogar fixiert oder alternativ nach innen zwischen Innen- und Außentasche geklappt werden kann. Andererseits gibt es zwei "Lederohren", die entweder noch über den Innendeckel geklappt werden oder ebenfalls zwischen Innen- und Außentasche verschwinden können. So kann man jeweils den idealen Kompromiss aus Schutz und Zugänglichkeit wählen. In Zingst am Strand war ist z.B. sehr froh, dass ich meine Ausrüstung durch die Verwendung des Innendeckels UND der beiden Lederlaschen erfolgreich vor dem allgegenwärtigen Sand schützen konnte. In weniger heikler Umgebung sind Deckel und Laschen bei mir nach innen geklappt und meine Ausrüstung ist superschnell zugänglich.

 

Viel robuster als gedacht

Dank des bisher eher unentschlossenen "Sommers", konnte bzw, musste ich meine Oberwerth-Taschen schon mehrfach in überraschenden Wolkenbrüchen testen. Ich hatte ja schon gehofft, dass die Taschen keine reinen Schönwettertaschen sind, aber sie haben sich noch viel besser geschlagen, als ich erwartet hatte: Beim ersten Wolkenbruch hatte ich noch Sorge. Schließlich kostet eine Vollleder Freiburg oder eine Wetzlar fast 800 € bzw. 700 € und die darin transportierte Fotoausrüstung ist ja in der Regel noch viel mehr wert. Die Sorge war allerdings völlig unbegründet. Die Fotoausrüstung ist absolut trocken geblieben und die Tasche ist völlig problemlos getrocknet und hat unter der Dusche nicht nennenswert gelitten. Und nach einer Pflegesession mit farbloser Schuhcreme sah sie wieder aus wie neu. Überhaupt verfügt das Oberwerth-Leder über ganz erstaunliche Heilfähigkeiten. Es bleibt natürlich nicht aus, dass man mal an etwas vorbei schrappt oder hängen bleibt, wenn man seine Fototasche nicht nur für die Vitrine gekauft hat. Auch die eigenen Fingernägel hinterlassen natürlich schon einmal Spuren. Das Resultat: größere oder kleinere Kratzer. Das tut am Anfang regelrecht weh. Es ist aber ausgesprochen überraschend, was ein Wenig Pflege mit Schuhcreme oder anderen handelsüblichen Pflegemitteln für Wunder wirkt. In den meisten Fällen muss man die Kratzer danach mit der Lupe suchen. Wirklich erstaunlich! Vor kurzem hat Oberwerth ein eigenes Pflegemittel auf den Markt gebracht. Das werde ich mir in den kommenden Wochen einmal näher anschauen. Mittlerweile schone ich meine Taschen gar nicht mehr, sondern verlasse mich einfach auf deren Robustheit. Eine gewisse Patina ist ja durchaus gewünscht. Schließlich ist auch eine Oberwerte Tasche in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand. Aber auf das "selbstheilende Wunderleder" ist echt Verlass.

Wie bei allen Oberwerth Fototaschen ist der längenverstellbare Schultergurt fest mit der Tasche vernäht und zusätzlich vernietet und verfügt über eine weiteres seltenes Detail: In den stabilen Gurt aus Cordura und Leder ist ein unsichtbarer Schnittschutz integriert, der es Dieben nahezu unmöglich machen soll, die Tasche mit einem schnellen Schnitt von ihrem Besitzer zu lösen.

 

Qualität zum Vererben

Es lässt sich nicht wegdiskutieren: Mit einem Preis von 699 € (UVP) steht die Wetzlar gewiss am obersten Ende des Fototaschen-Preisgefüges. Aber anders als viele andere Luxusgegenstände, bei denen man oft hauptsächlich den Namen oder das Image bezahlt, steht dem saftigen Preis eine echte, greifbare Gegenleistung entgegen: Absolut hervorragende Verarbeitung und hochwertigste Materialen zeichnen alle Oberwerth-Taschen aus. Ich habe bisher keine andere Ledertasche gefunden, die einen ähnlich hochwertigen Eindruck bis ins kleinste Detail vermittelt. Die Nähte sind absolut präzise genäht und sämtliche Lederkanten sind nicht nur umnäht, sondern sogar laminiert. Das vegetabil gegerbte Leder ist extrem widerstandsfähig und haltbar. Die komplette Tasche wurde in Deutschland gefertigt. Eine solches Stück Handwerkskunst kann man tatsächlich Jahrzehnte lang nutzen und danach weitervererben. Die Tasche erzählt mit der Zeit ihre eigene Geschichte und gewinnt immer mehr einen individuellen Charakter. Ob man sich eine solche Tasche gönnen möchte, ob diese Qualität einem den Preis wert ist und ob man eine Fototasche überhaupt so lange nutzen möchte, muss jeder selbst entscheiden. In meinen Augen bekommt man jedenfalls einen tatsächlich greifbaren Gegen- und sichtbaren Mehrwert, der nicht nicht auf Marketing und Image beschränkt.

 

Mein Fazit

Die Wetzlar ist eine wunderschöne, exklusive Tasche, die mir in der hier getesteten Farbkombination dunkles, braunes Leder mit olive-farbenem Cordura wirklich extrem gut gefällt. Die Wetzlar wirkt auf mich Dank des höheren Leder-Anteils noch eine Spur edler als andere Cordura-Taschen von Oberwerth, passt bestens zu meiner Voll-Leder Freiburg und ergänzt diese hervorragend, wenn doch einmal eine etwas größere Ausrüstung transportiert werden soll. Für mich ist die Wetzlar die universellste Tasche für Systemkamera- bzw. Messsucherfotografen im Oberwerte Sortiment. Sie bietet erstaunlich viel Platz, ohne große Außenmaße zu haben. Man muss sie ja nicht immer voll beladen. Auch die Variante, zwei Gehäusen mit angesetzten Objektiven zu verstauen zu können, hat ihren Reiz.

Auch Fotografen, die mit Vollformat-Systemkameras wie z.B. der Sony Alpha A7-Baureihe fotografieren, sollten aufgrund der etwas höheren Bauform statt der Freiburg lieber die Wetzlar wählen. Wer mit noch größeren Kameras wie z.B. Spiegelreflexkameras oder der Leica SL fotografiert sollte einmal einen scharfen Blick auf die Heidelberg werfen. Diese entspricht im grundlegenden Design der Wetzlar - hat aber in alle Richtungen größere Abmessungen.

Als Verbesserungsvorschlag würde ich mir lediglich kleine Metall-Füße am Boden der Taschen wünschen, damit sich das Leder nicht direkt voll Wasser saugen kann, wenn man die Tasche einmal auf einem nassen Boden abstellt. Außerdem ließen sich so Kratzer am Boden reduzieren. Die schaden zwar weder Tasche noch Ausrüstung, aber irgendwie würde ich die Tasche dann noch etwas unbekümmerter nutzen.


Das schreibt Oberwerth selbst zur Wetzlar:

Die Fototasche Wetzlar erweitert die Oberwerth Produktpalette um ein neues, sportlicheres Format. Gefertigt aus hochwertigem Rindleder und widerstandsfähigem CORDURA®, ist sie geräumiger als die Freiburg, bleibt dabei aber kompakt und sehr leicht. Das macht die von Meisterhand gefertigte Tasche zum perfekten Begleiter für anspruchsvolle Fotografen, die ihre hochwertige Fotoausrüstung perfekt verstaut aber dennoch stilsicher transportieren möchten. In die Wetzlar passen bis zu zwei Kamerabodies und zwei Objektive – oder alternativ ein Objektiv und ein Blitz. Zusätzlichen Stauraum für Meßsucher, Netzteil und persönliche Gegenstände bieten die großzügigen Vorder- und Seitentaschen.

Die Innentasche ist separat herausnehmbar und schützt Ihr wertvolles Equipment perfekt. Sie ist aus CORDURA® gefertigt und im Inneren mit Fleece abgefüttert. Dazwischen eingearbeitete Luftpolster bewahren die Kameraausrüstung vor Stößen, Nässe und äußeren Einflüssen. Im Deckel sind zwei Fächer aus Leder für Speicherkarten eingearbeitet.

Die Oberwerth Wetzlar ist fast vollständig aus vegetabil gegerbtem Rindleder gefertigt, einzig die beiden Vordertaschen bestehen aus extrem strapazierfähigem CORDURA® und erzeugen einen gelungenen Materialmix.

 

Kameratasche Wetzlar im Überblick:

  • die Tasche für anspruchsvolle Fotografen mit vielfältiger, umfangreicher Ausrüstung

  • Neu: seitliche Außentaschen – mehr Raum für Messsucher, Netzteil und Co.

  • widerstandsfähiges CORDURA® und hochwertiges Leder schützen die Ausrüstung vor Nässe und äußeren Einflüssen

  • herausnehmbare, luftgepolsterte Innentasche mit flexibel verstellbaren Pads und Fächern für zwei Speicherkarten

  • geräumige Vordertaschen

  • Platz für ein Tablet im Innenraum (auch bei eingesetzter Innentasche)

  • gepolstertes Reisverschluß Fach auf der Rückseite

  • Wie alle Oberwerth Taschen: 100% Handmade in Germany

 

Fakten:

Äußere Abmessungen: 30 x 21,5 x 15,5 cm
Innere Abmessungen: 25 x 19,5 x 13 cm
Gewicht: 1150g

Preis: 699 €

 

6 Antworten

  1. Jörg
    | Antworten

    Schickes Teil und viele Verbesserungen eingebaut die an der Freiburg gefehlt haben. Danke das ich das gute Stück am letzten Freitag bei Dir mal Live „begrabbeln“ konnte.

    Liebe Grüße
    Jörg
    http://www.taschenfreak.de

  2. […] diversen Reviews schon geschrieben habe, bin ich total glücklicher Nutzer der Oberwerth Freiburg, Wetzlar und Heidelberg (eine Review zu dieser Tasche folgt auch noch). Als Arbeitstasche taugen diese […]

  3. […] Worte will ich zur Tasche gar nicht verlieren, das können andere besser. Doch möchte ich mich bei Paddy, Gunther Wegner und Oberwerth für diesen unfassbar edlen Gewinn […]

  4. […] Worte will ich zur Tasche gar nicht verlieren, das können andere besser. Doch möchte ich mich bei Paddy, Gunther Wegner und Oberwerth für diesen unfassbar edlen Gewinn […]

  5. […] guten Jahr mit meiner Fuji-Ausrüstung. Ich habe die Heidelberg dazu mit dem Innenleben meiner Wetzlar und Freiburg so angepasst, dass ich darin meine komplette Fuji-Ausrüstung unterbringen kann. Jetzt […]

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