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Review Oberwerth München

Mein ständiger Begleiter in Südfrankreichen: die "München" von Oberwerth.
Mein ständiger Begleiter in Südfrankreichen: die "München" von Oberwerth.

Ich war auf der Suche nach einer Fototasche, die einerseits genug Platz für meine Alltagsfotoausrüstung bietet und in der ich gleichzeitig noch ein Notebook unterbringen kann. Da mir auf den Fotofestivals, die ich in den letzten Monaten besucht habe, immer wieder die edlen Fototaschen der Marke Oberwerth aufgefallen sind, habe ich die Gelegenheit genutzt und zwei Testtaschen mit in Urlaub genommen. In Südfrankreich hatte ich ausgiebig Zeit, mir die Taschen genau anzuschauen und eingehend im Alltag zu testen. Heute möchte ich meine Erfahrungen mit der "München" -  der größten Tasche im Oberwerth-Sortiment - mit euch teilen.

Es sollte also eine mittelgroße Fototasche sein, die genug Platz für Fujifilm X-E2, drei Zooms und zwei Festbrennweiten  bietet und in die zusätzlich noch ein 13"-Notebook (wahlweise mein privates Macbook oder mein dienstliches Thinkpad T440) passt.  Die Tasche soll praktisch und alltagstauglich und gleichzeitig so schick sein, dass ich sie sowohl im Alltag als auch bei einer Hochzeit oder einem Kundentermin einsetzen kann. Ich bin mit meiner Thinktank Retrospective 7 in schwarz sehr zufrieden, doch leider passt keine Notebook hinein, und nach intensiver Benutzung sieht die Tasche auch nicht mehr ganz taufrisch aus.

Oberwerth - Edeltaschen aus Deutschland:

Oberwerth LogoOberwerth ist eine kleine Taschenmanufaktur aus Koblenz. Die Taschen werden in Handarbeit aus sehr hochwertigen Materialien in Deutschland gefertigt. Einen schönen Einblick in die Fertigung bekommt man auf der Homepage. Hochwertige Materialien, Handarbeit und Fertigung in Deutschland - all das sind große Kostenfaktoren, die sich natürlich auch spürbar im Preis niederschlagen. Doch dazu später mehr.

Die "München" - die Konzeption:

Eine klassische Schultertasche, die nicht auf den ersten Blick als Fototasche zu erkennen ist: die Oberwerth "München".
Eine klassische Schultertasche, die nicht auf den ersten Blick als Fototasche zu erkennen ist: die Oberwerth "München".

Die München ist eine klassische Schultertasche, die von der Form an klassische Leder-Aktentasche bzw. Tornister erinnert. Auf den ersten Blick ist sie nicht als Fototasche zu erkennen, was ich persönlich immer für einen Vorteil halte. Die Tasche an sich besteht aus einem Materialmix aus Cordura und Leder. Anders als die meisten anderen Fototaschen ist die Fotopolsterung bzw. die Fütterung nicht fest mit der Tasche verbunden, sondern lässt sich vollständig herausnehmen. So entsteht eine ganz normale Aktentasche. Auch das "Innenleben" lässt sich unabhängig von der Tasche nutzen - etwa in einer noch größeren Tasche oder einem Rucksack, da es über einen Deckel mit Klettverschluss verfügt. Die Einsatzmöglichkeiten der Komponenten erweitern sich also spürbar.

Die "München" von außen:

Die Tasche besteht größtenteils aus Cordura. Der Deckel, der Boden, der Griff, das Schulterpolster und zahlreiche Applikationen bestehen aus Rindleder. Ich habe die Tasche in der Farbvariante Cordura/Rindleder hellbraun gestestet. Daneben gibt es die Tasche noch in Farbvarianten mit dunkelbraunen Rindleder und schwarzem oder oliv-farbenen Cordura und in einer komplett schwarzen Variante.

Ein Highlight der Tasche sind für mich die Verschlüsse. Anders als viele vergleichbare Fototaschen, die meist mit Magnetverschlüssen verschlossen werden, nutzt Oberwerth die großartigen LOXX-Verschlüsse. Diese werden genau wie die Taschen selbst von einer kleinen, deutschen Firma gefertigt. Genaue Infos dazu hat mein lieber Freund Jörg Langer auf seiner Seite Taschenfreak zusammengetragen. Die LOXX-Verschlüsse lassen sich spielend leicht schließen und halten absolut sicher, bis man sie mit einer leichten Zugbewegung wieder öffnet. Es ist nur ein Detail, aber in meinen Augen unterscheiden genau diese Detaillösungen gute Produkte von sehr guten.

Zwar sind auf der Herstellerseite auch Fotos zu sehen, auf denen die Tasche mit einer DSLR beladen ist - in meinen Augen ist die Tasche aber mustergültig für die Verwendung mit Systemkameras konzipiert. Während sich DSLR nur schwer mit angesetzten Objektiv verstauen lassen, finden Systemkameras wie meine Fujifilm X-E2 mit sämtlichen Objektiven Platz. Der Deckel aus Leder verfügt über einen Ledergriff, welchen ich nicht missen wollen würde. Ich bin ein Fan von Handgriffen, die es mir ermöglichen, die Tasche schnell und sicher in meinem Auto (z.B. hinter dem Sitz) verstauen zu können, ohne erst den Schultergurt zurecht wickeln zu müssen. Auf der Rückseite findet ich ein ungepolstertes Reißverschlussfach. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man eine Schlaufe, mit der sich die Tasche am Bügel eines Trolleys befestigen lässt. Bei Nichtbenutzung ist die Schlaufe nahezu unsichtbar an die Tasche geklettet. Der Schultergurt ist fest mit der Tasche verbunden und verfügt über eine weiteres seltenes Detail: In den mit Leder verstärkten Corduragurt ist ein unsichtbarer Schnittschutz eingelassen, der es Dieben nahezu unmöglich machen dürfte, die Tasche mit einem schnellen Schnitt von ihrem Besitzer zu lösen und mit dem wertvollen Inhalt das Weite zu suchen. Der Schultergurt ist längenverstellbar und ein verschiebbares Schulterpolster erhöht den Tragekomfort. Der Schultergurt ist nicht abnehmbar und bombensicher mit der Tasche vernäht und zusätzlich vernietet. Anfangs ist der Schultergurt relativ steif, durch die Benutzung wird er allerdings geschmeidiger. Der Boden besteht ebenfalls aus Leder. Zwar sieht der belederte Boden sehr schön und schlicht aus, aber ich würde mir hier passende Chrom-Knöpfe wünschen, die das Leder z.B. gegen Feuchtigkeit und Beschädigungen schützen.

Stichwort Leder: Leder ist ein Naturstoff und jedes Stück Leder ist etwas anders. Außerdem sieht man Leder seine Benutzung an. Das heißt, dass eine Ledertasche mit der Zeit eine gewisse Patina entwickelt. Aber das genau macht für mich auch den Reiz von Leder aus - es bekommt Charakter.

Auf der Vorderseite der Tasche sind zwei Fronttaschen angebracht. Diese sind relativ tief und bieten deutlich mehr Platz für Zubehör, als ich auf den ersten Blick erwartet habe.

Das Innenleben:

Die Außentasche und die Innentasche der Oberwerth München.
Die Außentasche und die Innentasche der Oberwerth München.

Wie bereits erwähnt, lässt sich das "Innenleben" der "München" herausnehmen. Tut man das, kommt an der inneren Rückseite der Tasche eine Reißverschlusstasche und ein Handyfach zum Vorschein, welches genug Platz z.B. für ein iPhone 6 bietet. Fest mit der Außentasche sind zwei Lederklappen verbunden, welche dafür sorgen, dass die Tasche fest verschlossen ist und nichts seitlich aus dem Deckel rutschen kann. Möchte man diese Klappen nicht nutzen, lassen sich diese zwischen Außenhaut und dem inneren Fotofach verstauen. Das Fotofach ist an der Vorderseite der Tasche mit einem Klettstreifen fixiert.

Das gepolsterte Fotofach besteht ebenfalls aus Cordura und hat die gleiche Farbe wie die Außentasche. Allerdings ist das Material erheblich feiner. Das Innenfach verfügt über einen eigenen Deckel, der mit zwei Klettstreifen verschlossen werden kann. Möchte man diesen zusätzlichen Deckel nicht nutzen, lässt er sich genau wie die beiden Lederklappen zwischen Außentasche und Fotofach verstauen. Im Deckel finden sich zwei kleine Fächer aus Leder, in denen man CF- oder SD-Karten verstauen kann. Im Innern des Fotofachs finden sich zwei gepolsterte Stoffteiler, die jeweils mit doppelten Klettflächen im Fotofach befestigt werden und über einen Klappdeckel verfügen. Hier würde ich mir bei so einer großen Tasche noch zusätzliche Polster wünschen - da bin ich von Thinktank verwöhnt.

Und wo kommt jetzt das Notebook hin?

Das Notebook wird einfach zwischen die Außentasche und das Innenleben geschoben. Wer einen zusätzlichen Schutz will, kann sich bei Oberwerth noch ein passendes Notebooksleeve für 89 € ordern, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass das Notebook nicht ausreichend geschützt ist. Die Außentasche ist groß genug, dass auch bei voll beladenem Fotofach noch genug Platz für mein nicht gerade dünnes Thinkpad bleibt.

Zubehör:

Neben dem Notebooksleeve bietet Oberwerth zusätzliche Einteilungs-Pads an. Außerdem gibt es noch Kameragurte für DSLR und Systemkameras aus Leder. Auch das Innenleben lässt sich separat nachkaufen.

Die Sache mit dem Preis:

Für 599,00 € UVP ist die München sicher kein Schnäppchen - ganz im Gegenteil. Ob die Tasche preiswert ist,  also ihren Preis wert, liegt immer im Auge des Betrachters bzw. Kunden. Für den Preis bekommt man eine absolut hochwertig verarbeitete Fototasche, die in Deutschland aus ausgesuchten Materialien, in Handarbeit und in kleinen Stückzahlen hergestellt wurde. Oberwerth zielt mit seinen Produkten sicherlich auf das Luxus- bzw. Edel-Segment und findet sicher einen Teil seiner Kundschaft unter der Leica-Klientel. Doch auch eine Leica macht bekannter Weise nur Fotos, mit einem edlen Mont-Blanc-Füller kann auch man nur schreiben und auch ein Porsche bringt einen nur von A nach B. Dennoch finden sich immer wieder Kunden, die bereit sind für das gewisse Extra tiefer in die Tasche zu greifen.

Fazit:

Die "München" von Oberwerth ist eine für meinen Geschmack sehr schöne, edle und hochwertig verarbeitete Fototasche mit vielen cleveren Detaillösungen, die man durch die modulare Bauweise sehr flexibel nutzen kann. Mit dieser Tasche wird man sicher lange Freude haben. Je mehr man sie nutzt, desto mehr Patina und Charakter bekommt sie. Wer für seine edle Sucher- oder Systemkamera-Ausrüstung eine hochwertige Schultertasche sucht, sollte sich die "München" einmal näher ansehen.

4 Antworten

  1. Hermann
    | Antworten

    Danke Christian,

    hört sich schon mal gut an und das Modell in Größe und Ausstattung scheint auch meine Bedürfnisse abzudecken und ist somit sicher in Kürze der Grund, die bisherige „provisorische“ (zwar funktional) Lösung zu ändern.
    Mit tief in die Tasche greifen ist das Preisthema auch nicht gelöst, wenn da nicht noch Extra-Gelder schlummern, aber die Formulierung ist ja auch etwas anders gemeint.

    Zwei Fragen stellen sich mir, ohne dass ich jetzt extra auf die Suche nach Detaisl auf der Hersteller-Website gehe, ich bin halt bequem. Was hat die Tasche für ein Leergewicht und welcher Art ist die Zusatzsicherung des Gurtes. Ist das ein eingearbeiteter Stahldraht wie bei meinem Kameragurt, oder was soll den „schnellen Diebstahl“ von der Schulter stoppen?

    Ansonsten ein schöner und wirklich informativer Erfahrungsbericht. Nur wäre diese Farbkombi nicht so ganz nach meinem Geschmack. Aber es gibt ja offensichtlich Alternativen.

  2. […] hatte im Südfrankreich-Urlaub reichlich Gelegenheiten, mich von der herausragenden Material- und Verarbeitungsqualität von […]

  3. […] http://www.taschenfreak.de betreiben würde, käme das meinen Neigungen schon ziemlich nahe. Nach der München und der Freiburg ist die Wetzlar nun schon die dritte Oberwerth-Tasche, die ich getestet habe. Die […]

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